Pferdekunde!

1 Das Pferd gehört zur Gruppe der Säugetiere und hier wieder zu den Einhufern. Weiters

unterscheidet man zwischen Warm- und Kaltblut, was aber nicht bedeutet, daß das Blut
eines Pferdes wärmer ist als das des anderen.
Als Kaltblut werden schwere Arbeitspferde benannt - z.B. die österreichischen Pinzgauer
oder Noriker. Als Warmblut bezeichnet man alle Reitpferdetypen.
Die meisten Warmblutpferderassen haben einen bestimmten Anteil "Vollblut".
"Vollblüter" so der Fachausdruck, können entweder lückenlos in ihrer Ahnenreihe auf das
"general stud book" von 1793 zurückgehen, dann handelt es sich um englisches Vollblut.
Arabisches Vollblut - das heißt Reinzucht seit Mohammed.
Auch ein Pferd hat einen Geburtsschein - ein Pedigree, in dem neben dem
Geburtsdatum, den Eltern und Großeltern. eine genaue Beschreibung des Aussehens
vermerkt ist: Farbe, Geschlecht, Abzeichen. Brände usw.
Oftmals fragen Laien, wie man denn zwei Pferde. die die gleiche Haarfarbe haben,
unterscheiden könne ?
Es gibt angeborene oder erworbene Abzeichen. Angeborene Abzeichen sind weiße
Haarstellen, die am Kopf, an den Beinen und gelegentlich an anderen Körperstellen
vorkommen. Angeborene Abzeichen können auch Haarwirbel auf Kopf und Hals sein.
Diese sind bereits bei der Geburt vorhanden und bleiben zeitlebens erhalten. Zu den
erworbenen Abzeichen gehören weiße Haarstellen, nach Sattel- oder Geschirrdrücken,
ferner Narben und vor allem die Brände.

Abzeichen am Kopf:


1) Stirnhaare 8) oben verbreiterte Schnurblesse
2) Flocke 9) Stern, Strich, unten verbreiterte Schnippe
3) Stern 10) unten geschnürte Blesse
4) unterbrochener, länglicher Stern 11) oben am Rand stichelhaarige, fast
5) halbmondförmiger, durchgehende Blesse links geöffneter Stern
12) breite, nach links auslaufende Blesse
6) großer, langer Keilstern 13) Laterne, Glasauge
7) langer Strich 14) Schnippe


Abzeichen an den Beinen:

1 Vorderballen weiß

5) Hinterfessel unregelmäßig weiß
2 Vorderkrone innen weiß 6) Hinterfuß innen unregelmäßig halb weiß
3 Vorderfessel weiß 7) Hinterbein unregelmäßig weiß
4 Vorderfuß unregelmäßig halb weiß  


Kopf- und Halsformen

Aus der Kopf- und Halsform kann man auf Rasse, Geschlecht, Temperament, Eigenart (z.B.
Ramskopf = eigenwillig), körperliche Beschaffenheit und Alter des Pferdes schließen.



2 Das Exterieur

Die Beurteilung eines Pferdes lernt man am besten, indem man sich viele verschiedene Pferde ansieht.

Hier einige Tips:

- Große, freundliche Augen deuten auf einen sanften, ehrlichen Charakter.

- Eine lange, geneigte Schulter erlaubt bequemes Reiten.

- In einer tiefen, breiten Brust ist viel Platz für Herz und Lunge.

- Ist der Ellbogen nicht am Rumpf, so ist das Pferd beweglicher.

- Ein kurzes Röhrbein ist kräftiger als ein langes; lange, schräge Fesseln garantieren

einen weichen Gang.

- Ist die obere Halslinie deutlich länger als die untere, kommt das Pferd leichter ins

Gleichgewicht.

- Für eine gute Sattellage darf der Widerrist nicht zu flach sein.

- Pferde mit kurzem, kräftigem Rücken sind gute Gewichtsträger.

3 Das Skelett

Das Skelett dient dem Körper als festes, stützendes Gerüst. Durch die Ausbildung beweglicher Verbindungen (Gelenke) sind Bewegungen möglich.

Die Knochen funktionieren als Stütze (Beine, Wirbelsäule = passiver Bewegungsapparat) und als Befestigungsstellen für die Muskeln und machen, zusammen mit den Muskeln

(aktiver Bewegungsapparat), die Fortbewegung möglich.

1 Halswirbel (7)

14 Sesambein (Gleichbein) Gelenke:
2 Brustwirbel (18) 15 Fesselbein a Schultergelenk
3 Lendenwirbel (6) 16 Kronbein (Buggelenk)
4 Kreuzwirbel (5) zum Kreuzbein verwachsen 17 Hufbein b Eilbogengelenk
5 Schwanzwirbel 18 Darmbein c Vorderfußwurzel- oder Karpalgelenk
6 Rippen 19 Schambein d Fesselgelenk
7 Schulterblatt 20 Sitzbein e Krongelenk
8 Oberarm 21 Sitzbeinhöcker f Hufgelenk
9 Ellbogenhöcker 22 Oberschenkelbein g Hüftgelenk
10 Unterarm 23 Kniescheibe h Kniegelenk
11 Vorderfußwurzelgelenk (Karpalgelenk) 24 Unterschenkelbein i Sprunggelenk
12 Erbsenbein 25 Fersenbein  
13 Griffelbein 26 Röhrbein  



Beim ruhigstehenden Pferd liegt der Schwerpunkt (Massemittelpunkt) etwa in Höhe des Brustbeines unterhalb der Rumpfmitte. Kopf und Hals, vom hochelastischen Nackenband in der Haltung unterstützt, ragen als Hebelarm wirkend über die stützenden Vordergliedmaßen.

Die Haltung von Kopf und Hals sowie die Füllung der Baucheingeweide haben einen Einfluss auf die Lage des Schwerpunktes.

Die Sattelung und der Sitz des Reiters
haben einen wichtigen Einfluss auf die
Lageveränderung des
Körperschwerpunktes.

Da der Schwerpunkt beim stehenden
Pferd der Vorhand näher liegt, ist das
vordere Gliedmaßenpaar stärker belastet
als das hintere (55% auf den vorderen
und 45% auf den hinteren Gliedmaßen).

 


4 Die Eingeweide

Unter Eingeweiden versteht man alle Organe, die in den Körperhöhlen liegen. In der Brusthöhle befinden sich die Lunge und das Herz. In der Bauch und Beckenhöhle der Magen-Darm-Kanal, die Leber, die Milz, die Harnorgane und die Geschlechtsorgane.

1 Luftröhre

10 Untere Lage des Grimmdarms
2 Lunge 11 Linke untere Lage
3 Herz 12 Beckenkrümmung
4 Rippengegend des Zwerchfells 13 Linke obere Lage
5 Milz 14 Spitze des Blinddarms
6 Linke Niere 15 Mastdarm
7 Grenze des Zwerchfells 16 Langer Hebemuskel des Schweifes
8 Leerdarm 17 Schließmuskel des Afters
9 Kleiner Grimmdarm  


Das Herz pumpt das Blut durch den ganzen Körper (versorgen mit Sauerstoff und Nährstoffen, entfernen von Abfallstoffen, verteilen von Wärme).

Die Lunge belädt das Blut mit Sauerstoff und gibt Kohlendioxyd und Wasserdampf ab.

Die Niere reinigt das Blut von Abfallstoffen und gibt diese an die Blase ab.

Die Leber produziert Galle (Fettemulsion), speichert Vitamine und hilft den Körper entgiften.

Die Milz speichert Blutkörperchen (Wiederabgabe bei großer Leistung)

Im Magen-Darm-Kanal wird aufgenommene Nahrung aufgespalten und dem Blut zugeführt. Der Magen ist im Verhältnis zur Gesamtgröße des Tieres extrem klein (12-14 l Fassungsvermögen), weshalb man Pferden häufig kleinere Mengen füttern soll.

5 Vorder- und Hintergliedmaßen

Die Hintergliedmaßen sehen aus wie stark gewinkelte Hebelwerke. Sie müssen starke Schubkräfte zur Vorwärtsbewegung erzeugen können.

Die Mehrbelastung der Vordergliedmaßen im Stand und in der Bewegung erfordert hauptsächlich eine Stütz- und Auffangfunktion gegenüber der von hinten zugeschobenen Last.

An den Vorder- und Hintergliedmaßen bestehen Fixaktionseinrichtungen, die bei ruhigem Stehen das Gewicht beinahe ohne Muskelarbeit übernehmen. Dank dieser Einrichtung kann das Pferd auch längere Zeit fast mühelos stehen.

6 Der Huf

Es gibt ein bekanntes Sprichwort, das auch zu einem Buchtitel wurde: "Gesunder Huf gesundes Pferd!" Die Pferde in freier Wildbahn nützen ihre unbeschlagenen Hufe beim Gehen ab. Sport- und Nutzpferde werden beschlagen, das heißt man montiert Hufeisen auf ihren Huf, um sie einerseits trittsicherer zu machen, andererseits um das Horn zu schonen. Das bewirkt aber wieder, daß der Nachwuchs des Horns keine natürliche Abnützung hat, daher muß der Hufschmied etwa alle 6 Wochen -je nachdem wie schnell der Huf nachwächst - den Huf beschneiden und beschlagen.

Und so sieht ein Huf aus:

 

Einteilung der Hornkapsel:

von der Bodenfläche:

von der Seite:  
     
1 mittlere Strahlfurche   1 Vorderwand
2 Strahlschenkel   2 Tragerand
3 Eckstrebe   3 Kronenrand
4 seitliche Strahlfurchen   4 Seitenwand
5 Strahlkörper   5 Trachtenwand
6 Strahlspitze
7 Ballen
8 Sohlenast
9 Sohlenkörper
10 Tragefläche
11 weiße Linie
12 Wand
 
  a) Vorderhufeisen mit Lederkeilen
  b) Hinterhufeisen mit Zehenrichtung und Stollen (Spathufeisen)


Die Hufpflege bezweckt das Rein- und Gesunderhalten des Hufes und erfolgt durch Entfernen von Schmutz und Steinen mit dem Hufräumer und anschließendem Waschen mit der Wurzelbürste. Dabei ist auch auf das Sauber- und Trockenhalten der Fesselbeuge zu achten. Die Anwendung einer guten Hufsalbe vor allem am Saumrand hat mindestens einmal wöchentlich zu erfolgen; sie kann nach Qualität des Hufhorns auch öfter notwendig sein. Sie ist gleichzeitig eine tägliche Kontrolle des Hufes und des Hufeisens.

7 Haarfarbe und Abzeichen

Das Wildpferd war von einheitlicher mausgrauer Farbe, während das Hauspferd eine Vielzahl von Farben entwickeln konnte.

Die Farbe ist mit ein Bestandteil bei der Identifizierung eines Pferdes und führt zu folgender Einteilung:

1. Rappe Deck- und Langhaar schwarz
2. Fuchs Deck- und Langhaar haben die gleiche Farbe, rötlich schimmernd
3. Brauner Deckhaar braun, Langhaar schwarz
4. Schimmel Deckhaar grau bis weiß, Langhaar weiß bis schwarz
5. Falbe Deckhaar falbfarbig, Langhaar schwarz evtl. mit Aalstrich
6. Isabell Deckhaar gelblich, Langhaar hell (kein Pigment)
7.Schecke Deckhaar mit großen schwarzen, weißen oder braunen Flecken

Pferde mit mehr als 50% weißen Haaren im Deckhaar sind Schimmel, weniger als 50% weiße Haare im Deckhaar nennt man stichelhaarig.

8 Die Zähne

Da das Pferd ein Säugetier ist, hat es einen Zahnwechsel von den Milchzähnen zu den bleibenden Zähnen. Die Milchzähne unterscheiden sich von den bleibenden Zähnen in Form und Farbe. Der Zahnwechsel geschieht vom 2. bis zum 5. Lebensjahr. Pferde haben insgesamt 36 Zähne, je 6 Schneidezähne und 12 Mahlzähne in Ober- und Unterkiefer. Bei männlichen Pferden, Hengsten und Wallachen, sind auch noch 4 Hakenzähne vorhanden.


Im Laufe der Jahre reiben sich die Zähne durch die mahlende Kaubewegung mehr und

mehr ab, wodurch sich die Zahnform und das Aussehen der Kaufläche verändert.

Danach kann man dann das Alter eines Pferdes feststellen.

9 Die Gangarten des Pferdes

Schritt
Der Schritt ist eine schwunglose, schreitende Gangart, in der die vier Beine nacheinander ab- und auffußen.

''Gleichseitig, aber nicht gleichzeitig!"

Der Reiter hört vier Hufschläge in zeitlich gleichmäßigen Abständen und erkennt bei einiger Übung, ob der Takt (das Gleichmaß) in Ordnung ist. Der Bewegungsablauf vollzieht sich folgendermaßen:

Hinten rechts - vorne rechts - hinten links - vorne links


Trab

Der Trab ist ein 2-Takt, wobei das diagonale Beinpaar auffußt.


Galopp

Der Galopp ist eine schwungvolle, springende Gangart im 3-Takt und setzt sich aus einer Reihe einander unmittelbar folgender Sprünge zusammen, die durch Beugung und Streckung der unter den Pferdekörper gesetzten Hinterbeine erzeugt werden. Dabei gehen Schnell- und Schubkraft nicht wie im Schritt und Trab abwechselnd und gleichmäßig von beiden Hinterbeinen aus. Im Galopp sind drei Hufschläge wahrnehmbar.


Unterschied der Gangarten:

Schritt
Trab
Galopp
schwunglos
schwunghaft
schwungvoll


Die Grundgangarten

Der Schritt hat eine
Fußfolge mit vier hörbaren
Hufschlägen (Viertakt). Jeder
Fuß folgt dem vorhergehenden
mit einem Intervall.

Im Trab erheben sich die
diagonalen Fußpaare gleich-
zeitig und fußen auch gleich-
zeitig auf (wenn das Pferd taktrein
trabt). Es sind daher zwei
Hufschläge zu hören (Zweitakt).

Je nachdem das linke oder
rechte Beinpaar seitlich
vorgreift, unterscheidet man
einen Links- oder einen
Rechtsgalopp. Wir hören drei
Hufschläge (Dreitakt).

 

Die Spezialgangarten


Schritt, Trab und Galopp sind die drei Grundgangarten des Reitpferdes. Rassebedingt gibt es noch die Gangarten "Tölt" und "Paß"

Der Tölt ist eine im Viertakt gelaufene Gangart bei hoher Aufrichtung mit gleicher Fußfolge wie im Schritt, die eine angenehme, nicht werfende Fortbewegung zu Pferd erlaubt. Die Geschwindigkeit reicht vom Schritt- bis zum Galopptempo.

Der Paß ist eine gelaufene Gangart, bei der das Pferd das gleichseitige (laterale) Beinpaar gleichzeitig abhebt, vorschwingt und wieder auffußt. Ein langsames Reiten im Paß mit schaukelnden Bewegungen als "Reisegangart" kann gelegentlich bevorzugt werden.